Der Marienplatz - internationaler Touristentreffpunkt, Glockenspiel und Frohsinn! Keinem Menschen k�me bei diesem Bild in den Sinn, dass just an dieser Stelle einst schaurige Spektakel das Volk erg�tzten. Die h�fische Gerichtsbarkeit sorgte f�r die Regie, der Henker f�r die Ausf�hrung. So am 29.Juli 1600. Volksfeststimmung auf dem Marienplatz, damals noch Schrannenplatz. �ber dem Schicksal der verbrecherischen Sippe der P�mbs soll der Stab gebrochen werden. Ein bereits geh�ngter Dieb hatte die Familie, Vater, Mutter und drei Kinder, des Mord und Totschlags bezichtet. Daraufhin werden die P�mbs in den ber�chtigten Falkenturm verfrachtet. Hier steht heute das Nationalmuseum. Mit Gest�ndnissen wird zu diesen Zeiten nicht geknausert. Umso mehr als die Folter vehement nachhilft. �ber hundert Morde gestehen die P�mbs und auf deutliche Nachfragen nat�rlich auch, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Selbst im beschaulichen M�nchen durchzieht die allgemein grassierende Hexen-Hysterie Alltag und Beh�rden. Das Todesurteil f�r die einstigen Entleerer von Sickergruppen (Klosetts der damaligen Zeit) ist deswegen nur mehr Formsache. Und was f�r eine Form. Ein Viereck auf dem Platz wird f�r den Gerichtstag abgesperrt. Die P�mbs erscheinen, vorher noch reichlich mit Fleisch und Wein versorgt, rasiert und gebadet. Christoph Neuchinger aus Oberneuching (nahe dem heutigen Erding), seines Zeichens Blut- und Bannrichter, tritt in Aktion und zerbricht den auf dem mit schwarzem Tuch bedeckten Richtertisch liegenden Stab. Damit alles seine Ordnung hat, werden die �Urgichten� verlesen, die Gest�ndnisprotokolle. Die Menge erf�hrt von den Schandtaten des Paulus P�mb, wonach dieser �hundert junge Kinder und zehn alte Leut mit greulicher Zauberei erkr�mmt und erb�rmlich umgebracht hat�. In Anbetracht dieser Worte und des Zeitgeistes h�lt sich wahrscheinlich das Mitleid der Zuseher in Grenzen, als Vater P�mb und S�hne mit gl�henden Zangen an Armen und Oberk�rper gequ�lt werden. Der Frau werden die Br�ste abgeschnitten, die ihr selbst und ihren S�hnen �umbs Maul gerieben� werden. Das Finale zieht sich durch die Kaufingerstra�e und das Karlstor zur Richtstatt auf dem Galgenberg. W�hrend die Scheiterhaufen zu lodern beginnen, werden den M�nnern Arme und Beine mit dem Rad zertr�mmert. Dem angeblichen R�delsf�hrer Paulus P�mb st��t man einen Spie� in den Mastdarm. Die letzte �ffentliche Hinrichtung in M�nchen am 11. Mai 1854 mutet bei der Beschreibung dieses Gerichtstages wie die Inkarnationen eines humanen Strafvollzuges an. Mit gesenkten Kopf kommt der 19j�hrige Sattlergeselle Christian Hussend�rfer aus seiner Zelle und steigt auf den Armens�nderwagen. Tafeln baumeln von seiner Schulter. Sie veranschaulichen die Schuld des zum Tode Verurteilten: doppelt qualifizierter Mord. Auf dem Heimweg von seinem Tagwerk t�tete der junge Mann seinen Lehrherrn. Amt Richtplatz wird - wie gehabt - das Urteil verlesen und der Stab gebrochen. Am Richtstock am Marsfeld (heute Theresienwiese) endet ein unr�hmliches Kapitel M�nchner Lebens. Theatralisch hebt der Scharfrichter Schellerer sein Schwert und l�sst es auf den Delinquenten niederfallen. Doch, oh Graus, erst der siebente Streich trennt das Haupt vom Rumpfe.
|