Das Leben eines Bohemiens im Schwabing an der Wende zum 20. Jahrhundert ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Zwar fehlt es nicht an Esprit und jeder Menge ausgefallener Ideen, umso mehr jedoch am n�tigen Kleingeld. Das Verh�ltnis mancher K�nstler zu demselben ist denn auch inniger als man dies gemeinhin erwarten w�rde. ,,Wer pumpt mir noch? Wer pumpt mir noch? Wer pumpt mir einen Taler noch? fragt der Literat und Anarchist Erich M�hsam in einem Gedicht. Und der Maler Paul Klee gesteht in einem Brief an seinen Bruder: ,,Aber das Geld fliegt mir nach allen Seiten.� In seinem autobiographischen Roman ,Wir sind Gefangene� bezeichnet Oskar Maria Graf das Geld als D�mon, der sein Leben beherrsche. Graf bel��t es allerdings - anders als viele seiner Leidensgenossen der Boheme - nicht beim Beklagen seiner Geldn�te. Ein abenteuerlicher Gedanke geht ihm durch den Kopf. Nach dem Motto ,,Was schert mich das Morgen, heute und jetzt brauch� ich Geld�, bestellt er von einer Versandbuchhandlung die gesammelten Werke von Heinrich Mann gegen Ratenzahlung und verh�kert dieselben im n�chstbesten Antiquariat. An die f�lligen Kreditraten verschwendet er keine weiteren Gedanken. Schon einige Jahre fr�her verf�llt die K�nigin der Schwabinger Boheme, Franziska zu Reventlow (1871-1918) auf denselben Dreh. �berhaupt entwickelt die Gr�fin beim st�ndigen Bohren nach Geldquellen einen unerreichten Erfindungsreichtum. So kreiert sie eine einrnalige Form des Termingesch�ftes als sie ihrem alten Anatomie-Professor R�diger ihren K�rper schon zu Lebzeiten verkaufen will. Zum Sezieren nach dem Tode. Selbst ihre Schwabinger Bekannten bietet sie dem Professor als ,,Anatomie-Futter� an. Letztlich erfolglos. Die Pechstr�hne rei�t nicht ab. Auch mit einem Milchgesch�ft in der Schillerstra�e erleidet die Gr�fin Schiffbruch. Daran �ndert selbst ein von K�nstlerfreunden pr�chtig austaffiertes Schaufenster mit einer kopfwackelnden Kuh nichts. Die Pleite ist unausweichlich. Die Freunde der Gr�fin aus der Schwabinger Boheme kommen kaum nach, abends die unverkaufte Restmilch wegzutrinken. Immerhin tr�gt sie das Desaster mit Fassung und kann dem Ganzen sogar noch eine heitere R�ckblende abgewinnen. ,,Das gr�fliche Milchgesch�ft� geh�rt zweifellos zu den Juwelen ihres schriftstellerischen Wirkens. Franziska zu Reventlow kreiert f�r Schwabing dar�ber hinaus den Spitznamen ,,Wahnmoching�� wobei das ,,moching� f�r das n�rdlich von Schwabing gelegene Dorf Feldmoching steht. Mit dem �Wahn� d�rfte sie wohl den Kreis um den Dichter Stefan George gemeint haben, der mit abgehobenen kultischen Ritualen und Kost�mfesten im Schwabing der Jahrhundertwende von sich reden macht.
|